METHODE STEUERWALD

 

 

 

 

 

 

 

In der Ausbildungszeit zum Krankenpfleger mit Massageausbildung 1951 – 1953 bemerkte Oskar Steuerwald, dass bei bestimmten Krankheitsbildern, die er durch seine Massagetechnik behandelte, nicht nur die direkten Symptome der Krankheit sich besserten, sondern auch diejenigen, die der Patient nicht vordergründig angab.

So erkannte er mit der Zeit, dass sich Nervenausstrahlungen in das Bein genauso über das Ausmassieren verschiedener Bereiche an der Wirbelsäule beeinflussen lassen wie Beschwerden in der Magenregion; durch Intensivierung seiner Anstrengungen fand er noch viele weitere Punkte heraus und konnte mit seiner besonderen Art der Massage im Bindegewebe, an den Faszien der Muskulatur und an Gelenkverbindungen schnelle Linderung der Beschwerden herbeiführen.

Heute gehören diese Kenntnisse zum Standard einer jeden physiotherapeutischen Ausbildung und sind überall nach zu lesen, aber damals musste sich Oskar Steuerwald alles Stück für Stück erarbeiten.

Um noch ein besseres Gespür für das erkrankte Gewebe zu bekommen, sensibilisierte er seine Tastfähigkeiten immer weiter, in dem er mit geschlossenen Augen wie besessen alles massierte, was er zwischen die Finger bekam: angefangen von Pappe über Steine bis hin zur Baumrinde – alles um seine Sinne auf das Feinste zu schulen.

In Bad Wörishofen konnte er 1956 / 1957 während seiner Ausbildung zum Kneippbademeister mit seinen Kenntnissen so manchen Patienten beeindrucken, so dass er 1958 seine erste Massagepraxis eröffnete. Bis heute wurde diese Art der Behandlung über die Wirbelsäule zu einem Markenzeichen der Praxis Steuerwald.

Diese Art der Behandlung der Wirbelsäule kann als eine Art „Gleit- oder Mobilisationstechnik“ angesehen werden und beruht im Wesentlichen darauf, dass über einen sanften bis starken Druck, der konstant oder rhythmisch sein kann,  auf den Dornfortsatz  oder Querfortsatz  des Wirbelkörpers Verschiebungen oder auch Blockaden von Wirbelgelenken  gelöst werden können, so dass diese wieder in ihre normale Stellung zurückgleiten. Dabei  ist das Erspüren der problematischen Punkte oder Bereiche das entscheidende; dies kann mit einem sehr gut ausgebildeten Tastsinn in Kombination mit anatomischen und neurologischen Kenntnissen erreicht werden.

Dabei wird innerhalb der vom Körper anatomisch vorgegebenen Strukturen gearbeitet, d.h. wir nutzen das Zusammenspiel zwischen Muskeln, Sehnen, Bänder und  der Wirbelkörper aus, um unser Ziel zu erreichen.

Darum ist sie eine sanfte, aber nicht immer schmerzfreie Therapieform und kann beliebig oft wiederholt  werden, ohne ein „Ausleiern“ der Wirbelgelenke befürchten zu müssen. Die Schmerzen  während oder nach der Behandlung sind das Resultat der bestehenden Reizung oder auch Entzündung des um die Wirbelsäule liegenden Gewebes/Bänder oder Muskulatur – die Intensität hängt von der Dauer und Art der bestehenden Beschwerden ab.

Im Gegensatz zur Chiropraktik  oder der Chirotherapie werden bei uns die blockierten Gelenke  nicht durch einen kurzen und  schnellen Impuls mit geringer Kraft manipuliert, wodurch natürlich auch das „Knacken“ nicht auftritt.

Auch die von Dieter Dorn (um 1973) entwickelte Methode (Oskar Steuerwald arbeitet seit 1953 mit der von ihm entwickelten Behandlungstechnik) weist Unterschiede zu unserer auf:

Bei uns kann der Patient entspannt auf der Liege liegen oder bei Behandlung der Halswirbelsäule entspannt sitzen bleiben, der Vorteil ist, dass sich die Muskulatur schon in einem relativ entspannten Zustand befindet und es so leichter ist, die Problemzonen aufzufinden und zu therapieren, braucht der Patient nicht mit  Armen, Beinen oder Kopf mitzuarbeiten,  somit haben wir ein besseres Gefühl für die zu behandelnde Struktur; bei der Behandlung keine Hilfsmittel benötigt, um Muskeln zu lockern oder Wirbelgelenke zu mobilisieren. Wir gehen nicht von der irrtümlichen Annahme aus, dass ein Hüftgelenk luxieren, kann. Dies ist anatomisch durch die umliegenden knöchernen, ligamentären und muskulären Strukturen nicht möglich (Ausnahme ein Autounfall).

Weiterhin besteht auch keine Verwandtschaft zu sämtlichen Arten der Atlas – Therapien, denn nach unserer Erfahrung reicht es nicht aus, nur den 1. Halswirbel in die richtige Lage zu bringen, um eine Besserung oder Heilung der Beschwerden des gesamten Körpers zu erreichen!  Wenn jemand in der Halswirbelsäule Beschwerden hat, dann können die Beschwerden sicherlich besser werden, aber im restlichen Wirbelsäulenbereich bleibt alles beim „Alten“ solange nicht auch die Basis – das Becken und das Ileosakralgelenk – in der richtigen Position sind. Es ist auch sehr unwahrscheinlich, dass eine einmalige Behandlung ausreicht (mit anschließender mehrwöchiger Reaktionszeit), um eine dauerhafte Verbesserung zu erreichen und auch der Atlas dann für immer in seiner natürlichen Position bleibt.

Warum ist es möglich, über eine Behandlung an der Wirbelsäule  sowohl eine Linderung der direkten Beschwerden, als auch eine Entspannung der Muskulatur, der Nerven (vegetative und spinale) und eine Beeinflussung der inneren Organe zu erreichen?

Die Wirbelsäule hat viele Funktionen.  Sie besitzt  nicht nur eine Stützfunktion, damit wir die täglichen Belastungen bewältigen können, sondern ist auch Bewegungsorgan, so dass wir uns vor, zurück sowie zur Seite neigen und drehen können. Um diese Aufgaben erfüllen zu können sind sehr viele Muskeln, Sehnen, Bänder und Nerven, aber auch die Bandscheiben notwendig; diese verbinden und stabilisieren die einzelnen Wirbelkörper miteinander, damit der Bewegungsablauf reibungslos verläuft und nicht stockend wirkt.

Eine besondere Funktion besitzen hierbei die Nerven durch Ihren Verlauf, sie versorgen alle Bereiche des menschlichen Körpers (sowohl die Muskeln und Haut als auch die inneren Organe). Ihren Ursprung besitzen die Nerven im Rückenmark, das ein rundlicher bis querovaler Strang und  im Wirbelkanal eingebaut ist und dessen Krümmungen folgt.  Im sog. Foramen intervertebrale („Zwischenwirbelloch“ – beidseitige  Öffnungen des Wirbelkanals) treten die Spinalnerven aus der Wirbelsäule aus und teilen sich  kurz danach in verschiedene Äste, die Muskeln, Sehnen, Bänder, die Haut und die inneren Organe versorgen.